Die Geburt

Es geschah in Neuilly-Plaisance, wo Abbé Pierre im Jahre 1949 lebte und während der Freizeit, Jugendliche betreute. Eines Tages kam ein aufgeregter Junge zu Ihm: -Abbé Pierre, Sie müssen kommen! Es ist schrecklich! Ein Mann wollte Selbstmord begehen, er lebt aber noch, kommen Sie schnell!...

Georges will sterben. Er ist vierzig Jahre alt, sieht aber aus wie sechzig. er ist verzweifelt... <<Ja, ich will sterben. Du als Geistlicher verstehst das doch. Sterben wollen! Weil es nichts mehr für mich gibt!>>

<<Du bist unglücklich und ich kann dir nichts geben. Ich habe selber nur Schulden. Ich bin Abgeordneter, aber mein Gehalt ist ausgegeben, bevor es kommt. Ich kann dir nichts geben, aber du bist im Grunde genommen frei, da du  dich doch umbringen willst. Aber bevor du es tust, hilf mir, den anderen zu helfen... zusammen können wir ein paar Menschen der Hölle entreissen.>>

Georges ist zutiefst ergriffen, er merkt plötzlich, dass er nicht alleine ist.

Das Abenteuer von Emmaus beginnt in dem Moment, in welchem Georges plötzlich beschliesst, sein Leben in den Dienst anderer Menschen zu stellen.

In der Schweiz

In der Schweiz, während der grossen Kältewelle vom Februar 1956, woran viele Familien und isolierte Menschen daran litten ( wegen Mangel an Heizmöglichkeiten ), besclossen verschiedene Personen  sich zu vereinigen, um diese Misère zu bekämpfen und um das Gewissen zur Nächstenhilfe zu erwecken, mit dem Motto "Helfe zuerst dem meist Leidenden".

So geschah es, dass im Jahre 1957 die erste Emmaus-Gemeinschaft der Schweiz, in Genf, eröffnet wurde, nach dem Vorbild der Gemeinschaften aus Frankreich die von Abbé Pierre gegründet wurden.

Seither sind weitere 5 Gemeinschaften dazugekommen.

Empfang

Die Emmaus-Gemeinschaften stehen jedem offen, der bereit ist, für andere zu leben, zu arbeiten und sein Leben mit anderen zu teilen.

Jedes Mitglied nimmt, im Rahmen seiner Fähigkeiten, aktiv an der Arbeit der Gemeinschaft teil: mit Unterhaltsarbeiten am Haus, in der Küche, bei der Wäsche und beim Einsammeln der Ware, was die Grundlage unseres Einkommen ist.

Alkohol und Drogen sind strengstens verboten.

Struktur

Die Gemeinschaften sind das wesentliche Element der von Abbé Pierre gegründeten "Emmmaus-Bewegung". 

Alle Gemeinschaften in der Westschweiz und im Tessin werden von einem lokalen Komitee geleitet und können zwischen 8 und 25 Gefährten aufnehmen.

Die Gemeinschaften sind im Westschweizer Emmaus-Verband ( ARCE ) zusammengeschlossen; Hauptsitz befindet sich in Carouge-Genf.

ARCE ist Mitglied von " Emmaus International". Diese zählt ungefähr 320 Emmaus-Bewegungen in über 35 Länder.

In anderen Ländern gibt es Emmaus-Gemeinschaften mit Frauen oder auch gemischte mit Familien.

Obwohl Abbé Pierre ein Mönch ist, haben die Gemeinschaften keinen konfessionellen Charakter. Jeder ist willkommen, ohne Ansehen von Rasse und Religion.

Einsammeln

Tägliches Einsammeln von Gegenständen jeder Art: Möbel in gutem Zustand, Kleider, Geschirr, Trödel, Werkzeuge, Nähmaschinen, Schreibmascinen, Velos, Mofas, Skis, Uhren, Vasen, Fernsehgeräte, Computers, Radios, usw. Hie und da räumen wir ganze Wohnungen und andere Räumlichkeiten.

Wiedergewinnung

Alles, was wir gesammelt haben, wird sortiert: Metall, Lumpen, Papier, Holz, Glas, usw. Ein grosser Teil davon wird rezykliert. Was unbrauchbar ist, wird vernichtet. Kühlschränke, Tiefkühler, Matratzen, Autos, Fernseher, Computers und andere Gegenstände, die vernichtet werden müssen, unterliegen den Vernichtungstaxen nach ökologischen Normen.

Verkauf

Was wiederverkäuflich ist,  wird in den Läden der Gemeinschaften verkauft.

Die Läden stehen jedermann offen. Sie ermöglichen es, den Gemeinschaften den eigenen Fortbestand zu sichern und ihren Kunden preiswerte Ware anzubieten.

Erlös

Aus dem Erlös bestreiten wir Lebensmittel, Transportkosten, Versicherungen, Löhne für Mitarbeiter, Amortisierungen, Zinsen für Schulden, den Unterhalt der Gebäude, usw.

Die Gemeinschaft übernimmt alle nötigen Ausgaben für die Mitglieder, auch die medizinische Versorgung ist inbegriffen. Für persönliche Bedürfnisse teilt sie den Mitgliedern ein Taschengeld zu, jeder hat das Recht, sich etwas zu ersparen.

Die erzielten Gewinne werden für die Verbesserungen der Wohn- und Arbeitsbedingungen eingesetzt oder für die Schaffung neuer Gemeinschaften. Die Gemeinschaft von Etagnières konnte mit Hilfe jener von Carouge-Genf gegründet werden, jene von Sitten  mit Hilfe von Genf und Etagnières und alle drei zusammen haben die Gemeinschaften von Rivera im Tessin, von Freiburg und La Chaux-de-Fonds ins Leben gerufen, ausserdem werden auch gezielte Hilfeleistungen geleistet.

Dienst

Die Arbeit der Gemeinschaftsmitglieder ist der Motor der Aktion. Die Arbeit macht die Gemeinschaft unabhängig und verschafft ihr ein soziales Gleichgewicht.

Hilfe

Unterstützungsarbeit auf lokaler  Ebene oder im Ausland, insbesondere dort, wo sich neue "Emmaus-Bewegungen" bilden, wird regelmässig geleistet. Das eingesammelte Material kann auch Aussenstehenden helfen, wenn sie etwas dringend benötigen.